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Local Shopping: Wie Local-Commerce-Ansätze den Einzelhandel stärken können

Der stationäre Handel gerät durch den Onlinehandel zunehmend unter Druck und in vielen deutschen Einkaufsstraßen nimmt der Besucherstrom angesichts des boomenden E-Commerce kontinuierlich ab.

Local-Commerce-Ansätze sollen helfen, Einzelhändler mit dem Internet zu verbinden und so den sinkenden Kundenzahlen entgegenzuwirken. Wir stellen Ihnen drei vielversprechende Strategien vor.

 

Was bedeutet Local Commerce?

Als Local Commerce werden Modelle bezeichnet, die den stationären Handel gegenüber dem Internethandel wettbewerbsfähig machen sollen. Es handelt sich um kollektive Strategien, die meist von Städten und Einzelhandelsstandorten bzw. Werbegemeinschaften initiiert werden und darauf abzielen, lokale Händler online sichtbar zu machen. Das physische Geschäft soll mit neuen Konzepten und Ideen digitalisiert werden. Die Ansätze reichen von Apps über digitale Schaufenster bis hin zu lokalen Online-Marktplätzen, bei denen die Zielgruppe auf Kunden aus der Nähe begrenzt ist. Häufig werden zusätzlich Dienste wie Click-and-Collect oder Same-day-Delivery angeboten. Der Vorteil der Local-Commerce-Lösungen: Sie animieren Kunden, wieder häufiger beim lokalen Einzelhandel einzukaufen, und bieten zugleich die Annehmlichkeiten des Internets als Informationsmedium. Mittlerweile gibt es laut der „Local Commerce Alliance“ deutschlandweit mehr als 70 dieser digitalen Initiativen – und zwar im oberbayerischen Pfaffenhofen ebenso wie in der Millionen-City Hamburg.

 

Local-Commerce-Ansatz #1: Same-Day-Delivery aus lokalen Geschäften

Ein ausgesprochen spannendes Konzept verfolgt das Kiezkaufhaus Wiesbaden – eine Idee der Agentur Scholz & Volkmer, die in Wiesbaden als Pilotprojekt realisiert wurde. Auch wenn das Modell vorerst nur in der hessischen Landeshauptstadt verfügbar ist, lässt es sich doch grundsätzlich auf andere Städte übertragen. Das Konzept des Kiezkaufhauses ist ganz einfach: Im Onlineshop wird eine handverlesene Auswahl lokaler Einzelhändler präsentiert. Und handverlesen heißt in diesem Fall, dass es sich bei den teilnehmenden Händlern um inhabergeführte Fachgeschäfte handelt, die einen guten Service bieten. Kunden können sich online in den Fachgeschäften umschauen, die Wunschprodukte in eine Einkaufstüte legen und von einer Same-Day-Delivery profitieren. Damit die Lieferung tatsächlich am selben Tag erfolgen kann, erhalten die betreffenden Händler nach der Bestellung eine Packliste und stellen die Produkte bereit. Fahrradkuriere auf E-Cargo-Bikes, die umweltfreundlich mit grünem Strom geladen werden, holen die fertig gepackten Einkaufstüten dann bei den Händlern ab und bringen die gesammelten Einkäufe zum Kunden nach Hause. Die ausgewählten Artikel werden bar oder mit Girocard beim Fahrer bezahlt. Für die Einzelhändler bringt diese Local-Commerce-Strategie zusätzliche Umsätze, die Stadt profitiert von einer Entlastung des Verkehrs und zusätzlichen Steuereinnahmen.

Mit Local-Commerce-Konzepten mehr Kunden gewinnen

 

Local-Commerce-Ansatz #2: Online recherchieren, vor Ort abholen

Ein alternatives Local-Commerce-Modell sind Online-Plattformen, auf denen Einzelhändler der Region ihr Geschäft und Sortiment vorstellen und online sichtbar machen können. Zusätzlich zu der Präsentation in digitalen Schaufenstern besteht meist die Möglichkeit, Click-and-Collect anzubieten. Hierbei handelt es sich um eine Reservierungsfunktion: Kunden können die online angebotenen Produkte reservieren (click) und anschließend im Laden abholen und bezahlen (collect). Auf diese Weise können Sie als Einzelhändler Cross-Selling-Potenziale nutzen und auch künftig Ihre Beratungskompetenz voll ausspielen. Ein gelungenes Beispiel für diesen Local-Commerce-Ansatz ist die Plattform Kauf-im-Allgäu.de, eine Initiative des Allgäuer Zeitungsverlags. Über die Suchfunktion des Portals können Kunden gezielt im Allgäu nach Einzelhändlern oder Produkten suchen, sich online inspirieren lassen und anschließend vor Ort einkaufen. Dort profitieren sie von der kompetenten Beratung des Einzelhandels und können die Produkte vor dem Kauf begutachten. Die Online-Reservierung und Vor-Ort-Abholung per Click-and-Collect ist ebenfalls möglich.

Diesen Local-Commerce-Ansatz verfolgen auch Produktsuchmaschinen wie Locafox. Auf dem Online-Marktplatz können Kunden sich über Produkte und Angebote informieren, deren Verfügbarkeit prüfen und Bilder, Öffnungszeiten sowie Standorte der lokalen Händler abfragen. Neben Click-and-Collect bietet Locafox einen Same-Day-Delivery-Service – derzeit allerdings nur in Berlin. Dank der Kooperation mit Kurierdiensten wie Liefery und Packator können die bestellten Artikel teils innerhalb von anderthalb Stunden an den Kunden ausgeliefert werden.

Damit sich das Click-and-Collect-Konzept tatsächlich in steigenden Umsätzen niederschlägt, ist eine laufende Prozessoptimierung unabdingbar: Ist der Service im Shop klar dargestellt? Ist die Abholstation in der Filiale leicht zu finden? Wenn die Kunden erst lange suchen müssen, ist die Zeitersparnis gegenüber dem klassischen Einkauf im Geschäft schnell weg und das Gefühl von mehr Komfort und Flexibilität verflogen.

 

Local-Commerce-Ansatz #3: Das Smartphone als Retter der Einkaufsmeile

Darüber hinaus sind Beacons ein viel diskutierter Ansatz, um mit wenig Aufwand und unter Einsatz digitaler Technologien Kunden in das eigene Geschäft zu locken. Hierbei handelt es sich um kleine Funksender, die innerhalb eines vorab definierten Umkreises via Bluetooth Kontakt mit Smartphones vorbeilaufender Passanten aufnehmen. Das Stichwort lautet Location-based Services, also standortbasierte Dienste: Über eine App, beispielsweise den Couponing-Dienst Coupies oder die Prospekte-Plattform kaufDA, erhalten Kunden im Vorbeigehen ortsbezogene Angebote, Coupons, Push-Nachrichten oder passende Produkte.

Als Paradebeispiel für den Einsatz standortbasierter Dienste gilt die Londoner Nobel-Einkaufsmeile Regent Street. Alle 120 ansässigen Restaurants und Geschäfte haben Beacons installiert und lassen Passanten über eine eigene Shopping-App während des Einkaufsbummels Mittagsangebote, Produktvorschläge oder exklusive Angebote zukommen. 

Auch hierzulande gibt es bereits spannende Pilotprojekte: Bei der Aktion „Digitales Karlsruhe“ verwandelte sich die Innenstadt an einem verkaufsoffenen Wochenende im Oktober 2017 in ein interaktives und digitales Zentrum. Besucher, die die Gelbe-Seiten-App heruntergeladen und dem Empfang von Push-Nachrichten zugestimmt hatten, erhielten beim Flanieren von den teilnehmenden Geschäften spannende Informationen oder exklusive Angebote auf ihr Handy geschickt.