Alltag meistern
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Unternehmensnachfolge im Einzelhandel – das müssen Sie wissen!

Ob Blumengeschäft, Modeboutique oder Spätkauf – in das eigene Geschäft stecken Inhaber oft ihr ganzes Herzblut.

Doch wenn sich das aktive Berufsleben dem Ende entgegen neigt, stehen viele Unternehmer vor der Schwierigkeit, einen geeigneten Nachfolger zu finden. Die Gründe hierfür sind vielfältig: Nicht nur der demografische Wandel und der Fachkräftemängel erschweren häufig die erfolgreiche Unternehmensnachfolge im Einzelhandel, auch die Onlinekonkurrenz spielt eine Rolle. Was Sie tun können, um Ihre Chancen auf einen qualifizierten Nachfolger zu erhöhen, erfahren Sie in folgendem Beitrag.

 

Nachfolger gesucht: Warum ist es so schwer, sein Geschäft zu verkaufen?

Viele Einzelhändler, die in den Ruhestand treten, schaffen es nicht, ihr Geschäft zu verkaufen. So haben laut dem 2019 veröffentlichten Report zur Unternehmensnachfolge des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK)[KS(31] [CE2]  48 Prozent der Senior-Unternehmer zum Zeitpunkt ihres ersten Besuchs bei der IHK noch keinen passenden Nachfolger gefunden.

In früheren Zeiten war eine familieninterne Nachfolge gang und gäbe. Heute entscheidet sich die junge Generation vermehrt dazu, eigene Wege zu gehen, anstatt das Lebenswerk der Eltern fortzusetzen. Als Folge dieses gesellschaftlichen Trends gewinnen alternative Nachfolgeformen verstärkt an Bedeutung – sei es, dass das Geschäft an einen leitenden Mitarbeiter übergeben oder an einen externen Käufer veräußert wird. Allerdings muss dieser in Zeiten des Fachkräftemangels erst einmal gefunden werden. Zudem büßt der inhabergeführte Fachhandel aufgrund der zunehmenden Dominanz von Einzelhandelsketten, Discountern sowie Online-Riesen wie Amazon vielerorts an Lukrativität ein. Das erschwert die Nachfolgersuche zusätzlich.

Um die Unternehmensnachfolge im Einzelhandel zu fördern, haben das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, die Handwerkskammern, die KfW-Mittelstandsbank und die Industrie- und Handelskammern die Unternehmensbörse „nexxt-change“ ins Leben gerufen. Auf der Online-Plattform können sich Firmeninhaber sowie junge Gründer und Kaufinteressenten unkompliziert miteinander vernetzen.

 

Unternehmensnachfolge im Einzelhandel: Frühzeitige Planung entscheidend

Erfahrungsgemäß haben die meisten Einzelhändler eine starke persönliche Bindung zu ihrem Geschäft. Nicht selten wird die Suche nach einem Nachfolger daher lange hinausgezögert. Unternehmensberater empfehlen allerdings, die Unternehmensnachfolge im Einzelhandel schon frühzeitig ins Auge zu fassen. Bei gut laufendem Geschäft wird der eigentliche Übergabeprozess zwar oft in rund ein bis zwei Jahren abgewickelt. Die gesamte Planungs- und Vorbereitungsphase kann jedoch deutlich mehr Zeit in Anspruch nehmen. Als Faustregel gilt daher: Bereits fünf bis zehn Jahre vor dem voraussichtlichen Ruhestand sollten Sie damit anfangen, sich über die Unternehmensnachfolge in Ihrem Geschäft Gedanken zu machen. Das ist durchschnittlich bereits in einem Alter von Mitte 50 der Fall – ein Zeitpunkt, zu dem die meisten Inhaber noch lange nicht ans Aufhören denken.

Insbesondere bei der familieninternen Unternehmensnachfolge im Einzelhandel sind nicht nur finanzielle Aspekte zu berücksichtigen. Häufig spielen auch emotionale Faktoren in die Übergabe hinein, etwa unterschiedliche Vorstellungen über die Art und Weise der Unternehmensführung. Damit Konflikte gar nicht erst aufkommen, raten Experten dazu, einen unabhängigen Wirtschaftsmediator hinzuzuziehen.

 

Geschäft verkaufen: Verkaufspreis realistisch ermitteln

Wie reibungslos die Unternehmensnachfolge im Einzelhandel abläuft, hängt im Wesentlichen davon ab, wie „übernahmewürdig“ ein Betrieb ist. Das bedeutet: Ein Geschäft muss auch dem Nachfolger eine sichere Existenzgrundlage bieten. Meist handelt es sich bei einem Laden um das Lebenswerk des Gründers, in das jede Menge Arbeit, Zeit und Einsatz gesteckt wurde. Deswegen wird der Kaufpreis subjektiv häufig zu hoch veranschlagt, was potenzielle Käufer abschreckt. Für eine realistische Kaufpreisermittlung sind weder der Substanzwert noch vergangene Betriebsgewinne maßgeblich. Um den Wert Ihres Geschäfts zu bestimmen, sollten Sie sich stattdessen am Ertragswertprinzip orientieren. Dabei werden die aktuellen sowie vorsichtig prognostizierten Erträge des Geschäfts als Berechnungsgrundlage herangezogen.

Wenn Sie eine Nachfolge für Ihr Einzelhandels-Geschäft suchen, sollten Sie vorab unbedingt klären, ob Ihr Vermieter den Mietvertrag über die Ladenräume überhaupt verlängern würde und zu welchen Konditionen dies der Fall wäre. Ihr Nachfolger sollte darüber voll im Bilde sein – gegebenenfalls kann er dann beispielsweise eine Standortverlagerung in Betracht ziehen.

 

Tipps für Gründer: Erfolgreich die Unternehmensnachfolge im Einzelhandel antreten

Sie wollen sich selbstständig machen, jedoch nicht neu gründen, sondern ein bestehendes Geschäft übernehmen? In diesem Fall sollten Sie Ihre Entscheidung nicht nur am Kaufpreis des Objektes festmachen. Insbesondere die Standortfaktoren sollten Sie so genau wie möglich analysieren. Dabei sind etwa die folgenden Fragen relevant: Wie gut ist das Geschäft erreichbar? Befindet es sich in einer attraktiven Lage? Wie hoch ist die Passantenfrequenz? Wie groß ist die bestehende Stammkundschaft? Und schließlich: Wie sieht es mit der Wettbewerbssituation vor Ort aus?

Scheuen Sie sich nicht davor, für die Nachfolge- und Gründerberatung professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Insbesondere die Finanzierung Ihres Weges in die Selbstständigkeit sollte sorgfältig und langfristig geplant werden. Bei allen Fragen rund um Nachfolge und Gründung stehen Ihnen die Experten der Berliner Sparkasse mit Rat und Tat zur Seite und besprechen mit Ihnen Ihre Finanzierungsmöglichkeiten.

 

Fazit

Die Unternehmensnachfolge im Einzelhandel ist oftmals ein langwieriger Prozess, der mit entsprechender Vorlaufzeit geplant werden sollte. Der zunehmende Bedeutungsverlust der familieninternen Übergabe könnte künftig zu einem gewissen Grad durch neue Arten des Netzwerkens kompensiert werden. Verkäufer und Käufer sollten Wert und Standortbedingungen des Geschäfts so realistisch wie möglich in den Blick nehmen, um die Nachfolge im Einzelhandel für beide Seiten befriedigend abzuwickeln.

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