Alltag meistern
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Menschen müssen gern zur Arbeit kommen

Die Drogeriemarktkette Rossmann hat sich im rauen Wettbewerb erfolgreich behauptet – durch eine nicht alltägliche Unternehmenskultur. Das Credo: Zufriedene Mitarbeiter bewirken zufriedene Kunden.

Seit er mit 18 Jahren die Führung der kleinen Drogerie seiner Familie in Hannover übernahm, hat Dirk Roßmann ein Imperium aufgebaut. Heute ist der Erfinder des Drogeriediscounters 70 Jahre alt und einer der erfolgreichsten Unternehmer des Landes. Er führt 2.000 Rossmann-Märkte in Deutschland und weitere 1.500 in Europa. Rund 50.500 Beschäftigten bot er 2016 einen Arbeitsplatz, 30.000 davon in Deutschland. 2017 sollen 250 Marktfilialen und weitere Arbeitsplätze hinzukommen.

Was macht diesen Mann aus? Vermutlich seine Überzeugungen. Schon als junger Unternehmer war er sich sicher, dass sein Erfolg entscheidend von den Menschen abhängt, die für ihn arbeiten. Machen sie einen guten Job, fühlen sich die Kunden wohl. Einen guten Job machen sie aber nur, wenn sie gerne zur Arbeit kommen. Es gilt das Prinzip der Qualifizierung: Wer bei ihm arbeitet, kann sich weiterbilden und erfährt somit im Gegenzug Wertschätzung und Respekt. Vom gesteigerten Selbstwertgefühl einmal ganz abgesehen. 

 

Zufriedene Mitarbeiter sind leistungsbereiter

Um diese Unternehmenskultur zu verwirklichen, hat Roßmann hart gearbeitet. Und tut das auch heute noch. Jeden Monat reist er nach wie vor durchs Land und besucht um die 30 Filialen. Er begrüßt alle Mitarbeiter per Handschlag und sucht das Gespräch. Roßmann nimmt sich Zeit. Schon früh war ihm klar, was Studien heute belegen: Die Zufriedenheit von Mitarbeitern hängt entscheidend von der Anerkennung durch ihren Chef ab. Eine seiner wichtigsten Auf-gaben lautet demnach: für ein positives Arbeitsklima sorgen. Das fördert – auch das weiß der erfolgreiche Unternehmer – die Leistungsbereitschaft und senkt den Krankenstand.

Gerade im Einzelhandel mit seinem direkten Kundenkontakt sind zufriedene Mitarbeiter wichtig. Sie geben den Filialen ihren Charakter. Sie sorgen nicht nur dafür, dass die Ware ansprechend präsentiert wird, sondern halten den Kontakt zu den Kunden. Unfreundlich? Das spricht sich schnell herum. Und schädigt letztlich das Image. Ein Marktanteil von 11,4 Prozent bei Drogeriewaren im deutschen Lebensmitteleinzelhandel bedeutet, dass täglich 1,6 Millionen Menschen in einem Rossmann-Markt einkaufen. Sie sollen, das ist Dirk Roßmanns Credo, von einer freundlichen, kompetenten Beratung profitieren.

 

Das Beste aus jedem Einzelnen herausholen

Doch wo Menschen arbeiten, werden Fehler gemacht. Viel wichtiger ist daher die Frage, wie ein Unternehmen mit Inkorrektheiten seiner Mitarbeiter umgeht. Etwa, indem es eine positive Fehlerkultur etabliert. Damit reduziert es nicht nur das Stresslevel der Belegschaft. Vielmehr wird deren Bereitschaft gefordert, anzupacken und eigenständig zu handeln. Und weil man aus Fehlern bekanntlich lernt, führt das offene und konstruktive Gespräch über gemachte Patzer auch zur Verbesserung des großen Ganzen.

Kundenorientierung, Teamfähigkeit – kann man das lernen? Selbstverständlich. Persönlichkeiten entwickeln sich weiter, wenn sie die Chance dazu erhalten. Davon ist Dirk Roßmann überzeugt. Jeder soll das Beste aus sich herausholen, seine eigenen Fähigkeiten entdecken und ausbauen. Zu diesem Zweck hat er bereits in den 80er-Jahren ein eigenes Schulungszentrum gebaut. Obwohl andere ihm von dieser Investition abrieten. Roßmann ist sich sicher: Es ist richtig, in die Entwicklung seiner Mitarbeiter zu investieren.

 

Seminare leben die Unternehmenskultur vor

Vom Training für Führungskräfte über die IT-Schulung bis zur Theaterwerkstatt: Der Waldhof mitten in der Lüneburger Heide bietet Rossmann-Mitarbeitern jede Form der Weiterbildung. Die Seminare sind in drei Themenschwerpunkte gegliedert: Es gibt die fachliche Förderung, die Entwicklung sozialer Kompetenz und Angebote für Kreativität und Miteinander. 

Seit den 80er-Jahren lernen die Manager in den eigens dafür konzipierten Seminaren, wie man konstruktiv mit Kritik umgeht, respektvoll streitet und Mitarbeiter empathisch führt. Diese Seminare haben das Unternehmen geprägt. Die Rossmann-Kultur wird längst von allen Mitarbeitern gelebt. Jeder ist Teil der Gemeinschaft, jeder ist wichtig, jeder ist Vorbild. Das funktioniert, weil alle sich daran halten. Man tut, was man sagt, auf seine Kollegen kann man sich verlassen. Das hat sich herumgesprochen. Und der Firmenchef ist besonders stolz auf ebendieses Image. „Nur wer Menschen mag, kann ein guter Chef sein“, sagt Dirk Roßmann.

(Text: Redaktion C3 Creative Code and Content)