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In 5 Schritten zu mehr Erfolg

Type Hype gehört zu den innovativsten Einzelhandelsgeschäften Deutschlands. Wie der Konzept-Store in Berlin-Mitte das geschafft hat und was andere Einzelhändler sich von ihm abschauen können, verrät Store Managerin Nicola Mohr.

Schick sieht es hier nicht aus. Eher rustikal wirkt das Geschäft in der Rosa-Luxemburg-Straße 9–13. Hinter einem breiten Tresen aus Eichenholz wuseln zwei Leute mit Schürzen. Sie schäumen Milch auf und schneiden Käse. Dahinter reihen sich hohe Regale mit dünnen Eisenstreben aneinander, vollgepackt mit Kissen, Flaschen, Notizblöcken, Emaille-Kochtöpfen und anderen Produkten. Keine Ware von der Stange – das erkennt sogar ein Laie. So ist es auch Teil des Konzepts von Type Hype: Die beiden Gründer, Kirsten Dietz und Jochen Rädeker, die den Laden im November 2013 eröffnet haben, sind erfahrene Designprofis und entwickeln alle Produkte selbst. Schon 2014 haben sie damit den Innovationspreis des Handelsverbands Deutschland (HDE) gewonnen. „Das war eine Bestätigung für unser Konzept und hat uns viel Aufmerksamkeit in der Fachpresse und unter Bloggern beschert“, sagt Nicola Mohr, Store Managerin des Geschäfts in Berlin-Mitte.

Mohr ist seit Mitte 2014 dabei. Sie ist die einzige echte Hauptstädterin im Team. „Meine Berliner Schnauze war bestimmt das wichtigste Einstellungskriterium“, sagt sie und lacht. Ihre Erfahrungen im Einzelhandel dürften auch eine Rolle gespielt haben: Mehrere Jahre hat sie Geschäfte in der Modebranche geleitet. Als gelernte Restaurantfachfrau kennt sie sich zudem im Kundenservice aus. Aber was können sich andere Einzelhändler vom innovativen Concept Store in Mitte abschauen?

 

1. Authentisch und detailverliebt einrichten

Fast alle Produkte von Type Hype haben etwas mit Typografie zu tun. Das heißt: Kissenbezüge, Tassen, Handyhüllen und andere Produkte sind mit Buchstaben bedruckt. Die Idee spiegelt sich auch im Store Design wider: „Unser Laden ist einer Setzerstube nachempfunden“, erklärt Mohr. In der Mitte eine alte Druckerpresse, die, wie die 36-Jährige berichtet, sogar noch funktioniert. An der Wand stehen originale Bleisatzkästen mit verschiedenen Schriften. „Wir haben auch manchmal Kunden hier, die in Erinnerungen schwelgen. Ältere Herren zum Beispiel, die Schriftsetzer gelernt haben. Die freuen sich, wenn sie ihre alten Arbeitsmittel noch mal sehen können.“

Schriftsetzer war früher übrigens ein gefährlicher Beruf. Beim Setzen und Drucken wurde viel mit Blei gearbeitet – und eine Bleivergiftung kann tödlich sein. Als „Gegenmittel“ gaben die Betriebe ihren Angestellten damals täglich kostenlos Milch. Das darin enthaltene Calcium sollte der Bleikrankheit vorbeugen. Diesen Mythos greift Type Hype heute auf: mit einer Milchbar im Shop. Dort gibt es an sechs Tagen in der Woche von 8 bis 20 Uhr neben frischer Biomilch auch Kaffeespezialitäten und Kleinigkeiten zu essen – von der Milchschokolade bis zur Butterstulle.

 

2. Investieren lohnt sich

Durch die authentische Atmosphäre im Concept Store von Type Hype macht es Spaß, zwischen den Produkten zu stöbern. Aber lässt sich solch eine Idee einfach so umsetzen? „Viele Möbel in unserem Laden sind Sonderanfertigungen“, berichtet Mohr. Die Druckerpresse wurde extra aus Mainz nach Berlin gebracht. Um das Ambiente zu schaffen, haben die Gründer also einigen Aufwand betrieben.

Bei der Finanzierung ihrer Geschäftsidee denken viele Einzelhändler zuerst an ihr Eigenkapital. Aber nicht immer ist es sinnvoll (oder möglich), alles aus eigener Tasche zu bezahlen. Es gibt noch andere Möglichkeiten, um flüssig zu bleiben.

 


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3. Wissen, wo es herkommt

Dass sich Qualität auszahlt, ist sicherlich eine abgenutzte Phrase. Aber im Fall von Type Hype stimmt sie: Das Unternehmen arbeitet bei der Herstellung seiner Waren nur mit Manufakturen zusammen, von deren Ansprüchen es sich selbst überzeugt hat und die genau nachweisen, wo ihre Rohstoffe herkommen. „Wir wollen unsere Kunden über die Ursprünge unserer Produkte informieren können“, sagt die Store Managerin. „Deshalb arbeiten wir mit unseren Produzenten immer direkt zusammen – und ohne Zwischenhändler.“

Mit ausschlaggebend für diese Einstellung sei das in der Gesellschaft gestiegene Bewusstsein für Nachhaltigkeit. „Viele Menschen sind heute bereit, mehr Geld für Dinge auszugeben, von denen sie wissen, dass sie fair produziert worden sind. Und dass unsere Produkte unter guten Bedingungen hergestellt werden, ist uns sehr wichtig.“

Die Manufakturen, mit denen Type Hype zusammenarbeitet, kommen zum größten Teil aus Deutschland. Eine Manufaktur aus Kreuzberg produziert beispielsweise Handtaschen, Turn- und Lederbeutel sowie iPad-Cases. Nur die Baumwolle für die Kissen stamme aus Italien. „In den meisten Fällen überzeugen wir uns vor Ort von den Produktionsbedingungen“, sagt Mohr.

 

4. Den Spirit der Hauptstadt nutzen

Berlin hat sich für die Gründer als optimaler Standort erwiesen. „Die Stadt ist bunt und vielfältig. Hier leben viele kreative Köpfe“, weiß die 36-Jährige. Also genau die Zielgruppe von Type Hype. Dazu kommt die Lage in der Rosa-Luxemburg-Straße, direkt neben einem Hotel. Der Laden profitiert von seiner Nähe zum Alexanderplatz und zum Hackeschen Markt. Auch der Prenzlauer Berg, wo viele potenzielle Kunden wohnen, ist nur zehn Minuten entfernt. „Zu uns kommen mehrere Hundert Leute täglich“, sagt Mohr. Davon seien rund die Hälfte Touristen. „Die kaufen bei uns gerne ein Andenken der etwas anderen Art an Berlin.“

Den Standort nutzt Type Hype auch als Inspirationsquelle für seine Produkte. Fünf Designlinien gibt es bereits, jede hat Bezug zu Berlin. Die Linie „Hauptstadt“ ist ganz spezifisch auf Berlin ausgerichtet. „Darin haben wir die 26 Buchstaben des Alphabets an wichtige Plätze angelehnt: A wie Alexanderplatz, B wie Brandenburger Tor, C wie Checkpoint Charlie und so weiter“, erklärt Mohr. Für die im Ostalgie-Look gestaltete Serie hat Type Hype den Red Dot Design Award gewonnen.

 

5. Alle Bezahlmöglichkeiten anbieten

Zum Erfolg gehört auch, Kunden die passende Bezahlmöglichkeit anzubieten. Bei Type Hype, wo das Publikum sehr international ist, wird meistens mit EC-Karte bezahlt. Es folgt die Kreditkarte. Bargeld ist zwar auch immer noch wichtig. „Aber gerade die ausländischen Gäste zahlen meistens bargeld- und oft auch kontaktlos“, berichtet Mohr.

Für klassische Einzelhändler bieten sich Kassenkomplettsysteme an. Die unterstützen alle wichtigen Zahlungsarten und sind einfach zu installieren: Denn anstatt viele Einzelgeräte zu kaufen, erhalten sie alle Geräte zusammen und können sicher sein, dass sie miteinander kompatibel sind. Für Cafés und Restaurants empfehlen sich zudem mobile Kartenterminals. Damit können die Gäste bequem am Platz bargeldlos bezahlen.

 

Fotos: Pablo Castagnola